Lichtung.life

„Vielleicht entdecken wir ja auf der Wildspur unserer Gedanken eine Lichtung, die wir noch nicht gesehen haben.“
nach Josef Wittig

Gruppen-Texte

 

Staat und Demokratie

„Die Gefahr dieser Zeit ist ... die dilettantische Improvisation, ... die 'Aufschiebung einer Entscheidung' in der Hoffnung auf eine Art Prozeß der Selbstliquidation der Probleme.“ Dabei werden die Menschen „nicht durch Tatsachen gelenkt, sondern durch das, was sie für Tatsachen halten“. Dessen sind sich die neuen Eliten bewußt, die nach dem Zusammenbruch aller Ordnungen ein neues Gesamtgefüge zu etablieren suchen – den „demokratischen Absolutismus“. In ihm ist „eine kritische Meinung“ bereits der Beginn der Sabotage „und als solche strafbar“. Die „neuen Ordnungen (mögen) zwar demokratisch als Ordnungen  f ü r  das Volk sein ..., aber nicht  d u r c h  das Volk und  v o m  Volk selbst, sondern Ordnungen, die dem Volk auferlegt werden“.

Beschreibt Hermann Rauschning im Jahr 1947 das neue Merkel-Deutschland? Das geistige Delirium der unmittelbaren Nachkriegszeit ist offenbar nicht überwunden. Im Gegenteil: Es tritt immer offener zutage. – Wie verhält man sich in solchen Zeiten? Welche besseren wären vorzubereiten?

Einleitung ins Thema: Hermann Rauschning, Die Zeit des Deliriums, 1947; Inhaltsverzeichnis und Einleitung.

Zentraler Text: „Demokratischer Absolutismus“, Seiten 289-303 aus diesem erwähnten Buch.

 

 

Kirche – wohin?

Wer mag „der Kirche“ heute noch zuhören? Die Erwartungen, etwas Bedeutsames zu vernehmen, sind bei den meisten auf ein Minimum geschrumpft. Verkündigung gilt als die Privatmeinung eines Hauptamtlichen, der oder die dafür ja bezahlt wird; sie bekommt das Gefälle zu einer süßen Manipulation.

Warum? Weil die Worte oft zu früh kommen – lange bevor die Nöte, die tatsächlich drücken, wahrgenommen und anerkannt sind. Vor allem aber: Jeden Christen, jede Kirche, betreffen diese Zeiterscheinungen nicht weniger. Wir tun also gut daran, „endlich etwas weniger vorlaut von unserer eigenen Christlichkeit auszugehen“ (Eugen Rosenstock), und stattdessen eine Hoffnung einüben, die sich im gemeinsamen Hinhören bewährt. Samariter-Dienst also für das Dritte Jahrtausend.

Was bedeutet das praktisch? Auf Gemeinde und aufs Predigen verzichten, kleine Gemeinschaften gründen? Vielleicht, ja. Vielleicht auch mehr.

Einleitung ins Thema: „Des Christen Zukunft oder Wir überholen die Moderne“, 1955/1985; Einführung und Vorwort.

Zentraler Text: Eugen Rosenstock-Huessy, Hörende Kirche, Seiten 152-155 + 191 aus diesem Buch.

 


Brennpunkt Islam

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, auch der kirchlichen, hat sich ein Forschungszweig etabliert, der die klassische Entstehungeschichte des Islam mehr als nur infrage stellt; der sie umstürzen kann. „Mohammed“, auf deutsch „der Gepriesene“, war ursprünglich die arabische Umschreibung für Christus; die vermeintliche Biografie Mohammeds beruht auf Auftragsarbeiten des 9. Jahrhunderts; die Araber gründeten im Jahre 622 ein eigenständiges christliches Reich; der Koran geht auf ein altsyrisches Liturgiebuch zurück, dessen Quellen im heutigen Tadschikistan zu suchen sind. Zu einer eigenständigen Religion wurde der Islam erst gegen Ende des 8. Jahrhunderts, seine kriegerische Ausrichtung ist der damaligen politischen Situation geschuldet, die er legitimieren sollte.

Die Dimensionen dieser ganz anderen Geschichtsdarstellung sind gewaltig. Doch an kritischem Denken führt kein Weg vorbei, weder für Christen noch für Moslems. Es einzufordern wird immer mehr zum Prüfstein aufrichtiger Wissenschaft und echten Dialogs. – Wir folgen diesen Spuren.

Zentraler Text: Karlheinz Ohlig, Zur Entstehung und Frühgeschichte des Islam, ApuZ (Aus Politik und Zeitgeschichte), Heft 26-27/2007, S. 3-10.

„Es muß dem Menschen vergönnt sein, sein persönliches Ergehen als Teil eines allgemeinen Schicksals zu begreifen.“
Eugen Rosenstock-Huessy